Eine gute Idee bekommt eine europäische Adresse
Rückblick auf 2014
Zwischen einem funktionierenden Prototyp und einem Produkt, das jemand kauft, liegt oft mehr Arbeit als zwischen der ersten Skizze und dem Prototyp. Es müssen Versuche bezahlt, mögliche Kunden gefunden und Entscheidungen getroffen werden, für die noch keine belastbaren Zahlen vorliegen. Genau an dieser Stelle wird aus technischer Begeisterung eine Finanzierungsfrage.
2014 startete Horizon 2020. Das europäische Forschungs- und Innovationsprogramm war für die Jahre 2014 bis 2020 mit einem Budget von annähernd 80 Milliarden Euro angelegt. Die große Summe erzählte allerdings nur einen Teil der Geschichte. Für den Mittelstand war entscheidend, welche Tür sich tatsächlich öffnen ließ.
Eine solche Tür war das neue KMU-Instrument. Es richtete sich an innovative kleine und mittlere Unternehmen mit ambitionierten Vorhaben und internationalem Wachstumspotenzial. Dass Forschung und wirtschaftliche Verwertung zusammen gedacht wurden, war sein wesentlicher Reiz: Ein Antrag musste erkennen lassen, was technisch neu war und weshalb daraus ein tragfähiges Geschäft entstehen konnte.
Wie konkret das wurde, zeigt der damalige Aufruf für disruptive Innovationen in der Informations- und Kommunikationstechnik. In der ersten Phase waren pauschal 50.000 Euro für die Untersuchung der technischen Machbarkeit und des Marktpotenzials vorgesehen; als typische Laufzeit wurden sechs Monate genannt. Das war kein allgemeiner Zuschuss für jede neue Software. Gesucht wurden Vorhaben, die bestehende Märkte deutlich verändern konnten.
Man kann sich die Aufgabe an einem einfachen, gedachten Beispiel klarmachen: Ein Sensor misst genauer als die bisherige Technik. Das ist ein Anfang. Offen bleiben die Kosten der Fertigung, die Anforderungen des ersten Anwenders und die Frage, ob sich die Messung auch außerhalb des Labors bewährt. Wer diese Punkte sauber auseinanderhält, kann aus einer technischen Beschreibung einen nachvollziehbaren Entwicklungsplan machen.
Im Rückblick liegt darin die bleibende Bedeutung des Programmstarts. Europa stellte Geld bereit, verlangte dafür aber eine präzise Vorstellung vom nächsten Schritt. Die überzeugendste Geschichte eines Vorhabens war deshalb selten die mit den meisten Superlativen. Es war die, in der sich erkennen ließ, welches Problem gelöst werden sollte – und was dafür noch fehlte.





