Aktuelles und Rückblicke
315 Milliarden Euro – und die Frage, was davon im Betrieb ankommt
Rückblick auf 2015
315 Milliarden Euro. Eine Zahl dieser Größe klingt zunächst nach einem sehr großen Fördertopf. Für einen Unternehmer mit einem konkreten Investitionsplan ist damit noch wenig gewonnen. Er muss wissen, ob Geld als Zuschuss, als Darlehen oder als Beteiligung ins Unternehmen kommen kann – und welche Verpflichtungen damit verbunden sind.
Am 25. Juni 2015 nahm der Rat der Europäischen Union die Verordnung zum Europäischen Fonds für strategische Investitionen an. Der EFSI bildete das finanzielle Herzstück des sogenannten Juncker-Plans. Sein anfängliches Ziel war, innerhalb von drei Jahren rund 315 Milliarden Euro zusätzliche Investitionen anzustoßen.
Diese Summe lag nicht fertig zur Auszahlung bereit. Ausgangspunkt waren eine EU-Garantie über 16 Milliarden Euro und fünf Milliarden Euro der Europäischen Investitionsbank. Die zusätzliche Risikoübernahme sollte Finanzierungen ermöglichen, die wiederum weiteres öffentliches und privates Kapital anzogen. Der erwartete Hebeleffekt erklärte die große Zahl.
Für Unternehmen war dieser Unterschied entscheidend. Eine Garantie im Hintergrund konnte eine Finanzierung erleichtern; sie machte aus einem Kredit aber keinen nicht rückzahlbaren Zuschuss. Wer einen Investitionsplan prüfte, musste deshalb neben dem Kapitalbedarf auch Laufzeit, Rückzahlung, Sicherheiten und die wirtschaftliche Tragfähigkeit des Vorhabens betrachten.
Ein gedachtes Produktionsunternehmen zeigt die praktische Seite: Die neue Anlage verspricht geringeren Ausschuss, benötigt aber eine längere Anlaufphase. Die Maschine allein ist dann nicht das ganze Projekt. Dazu gehören Schulung, Umbau, Material für Testläufe und die Liquidität, bis die neue Fertigung zuverlässig arbeitet. Ein passender Finanzierungsbaustein muss zu diesem Ablauf passen, nicht nur zum Kaufpreis.
Der Investitionsplan lenkte 2015 den Blick auf eine oft übersehene Seite der Förderung: Öffentliche Unterstützung kann Risiken mittragen, ohne sie vollständig abzunehmen. Für eine vernünftige Entscheidung braucht es daher zwei Rechnungen. Eine zeigt, welche Finanzierung möglich ist. Die andere zeigt, ob das Unternehmen das Vorhaben auch unter weniger günstigen Bedingungen durchhalten kann.
Die politische Schlagzeile blieb groß. Die eigentliche Arbeit begann eine Ebene darunter, bei den Unterlagen, den Annahmen und den Fragen, die eine Bank oder ein Investor stellen würde. Dort musste sich zeigen, was die europäische Initiative im einzelnen Betrieb bewirken konnte.